8 Tipps für neue Bogenschützen, die ihre erste Außensaison bestreiten
Quelle: Trainertipps September 2023
Für diese Trainer-Tipps habe ich einen Artikel einer amerikanischen Web-Site als Basis genommen, den Inhalt übersetzt und dabei etwas verändert bzw. ergänzt. Es handelt sich dabei um acht Tipps, die der Verfasser für neue Bogenschützen, die ihre erste Außensaison bestreiten, bereithält. Das Original von Andrew Smith finden alle Interessierten unter dem Link: http://www.bow-international.com/features/8-top-tips-for-new-competitive-archers/
Für Anfänger kann der erste Wechsel vom Schießen in der Halle zum Schießen auf dem Bogenplatz ein kleiner Schock werden. Nicht nur, dass man sich draußen mit den Unbilden des Wetters auseinandersetzen muss und auf größere Entfernungen geschossen wird, mancher Schütze versteht nicht, warum die wenigen Meter mehr plötzlich zu so viel schlechteren Gruppen führen können. Andere vergleichen die geschossenen Ringzahlen in der Halle mit denen im Freien und sind regelmäßig enttäuscht über die scheinbar schlechtere Leistung.
Draußen zu schießen ist schwieriger; dabei muss man noch mehr auf saubere Technik und Schussausführung achten. Technikfehler sowie Fehler in Bogenabstimmung und/oder Pfeilauswahl werden verstärkt, wenn die Pfeile weiter fliegen müssen. Dazu kommt der Einfluss des Wetters und durch die höhere Pfeilzahl pro Passe kommt u.U. auch noch ein Müdigkeitseffekt hinzu.
Wenn aber das Bogensetup stimmt und die Pfeile richtig ausgewählt sind, dann sind alle Änderungen, an die man denken muss, nur noch vom Schützen und nicht mehr von seiner Ausrüstung abhängig. Auf was müssen wir also achten?
1 Bieg Dich in der Hüfte
Einer der typischen Fehler beim Schießen auf größere Entfernungen ist es, dass der Schütze den Bogenarm anhebt, anstatt die sogenannte T-Stellung zu halten und sich in der Hüfte zu „biegen“.
Es ist wichtig zu verstehen, dass es prinzipiell keinen Unterschied macht, ob man drinnen oder draußen schießt. Die „T-Stellung“, also die Ausrichtung der Schultern“, die man in der Halle gelernt hat, soll beibehalten werden.
Abbildung 1: 
Um weiter zu schießen, darf man nun nicht den Bogenarm anheben, sondern es muss die Schulterausrichtung beibehalten werden, der Schütze knickt leicht in der Hüfte ab und richtet so den Bogen weiter nach oben.
Moderne Bögen sind sehr effizient und so ist der notwendige Höhenwinkel (der Ballistiker spricht von Elevation) nicht besonders groß (sofern man ein der Entfernung angemessenes Zuggewicht schießt), besonders für Anfänger, die selten über 50 m hinaus schießen.
Bei größeren Entfernungen nimmt dieser Winkel jedoch zu und man muss ganz bewusst der Versuchung, den Bogenarm anzuheben entgegenwirken. Würde man (anstelle in der Hüfte zu knicken) den Arm anheben, so würde sich der Auszug verkürzen, der Klicker würde nicht mehr passen und der ganze Schussablauf käme durcheinander. Von daher, achte auf Deine T-Stellung, egal ob Du auf 18 m oder 90 m schießt und beuge die Hüfte, um den Höhenwinkel anzupassen. Achte aber darauf, dass Du dabei nicht die Hüfte vorschiebst oder ins Hohlkreuz fällst.
2 Bogenhand
Du solltest in der ersten Zeit schon gelernt haben, den Bogen nicht festzuhalten. Dafür hast Du die Bogenschlinge, die Du hoffentlich auch verwendest. Wenn man zum ersten Mal draußen schießt, dann kann es passieren, dass man vor Aufregung all die Lektionen vergisst, die man in der Halle sicher beherrscht hat.
Du solltest vermeiden, den Bogen fest zu umgreifen, aber auch das Gegenteil, das Spreizen der Finger ist nachteilig. In beiden Fällen besteht das Risiko, dass Du über den Griff Drehmomente auf den Bogen überträgst, die dann zu unerwünschten Bewegungen im Schuss führen können.
Die beste Position der Bogenhand erreichst Du, wenn Du die Form des Griffes nutzt und die Hand locker und entspannt in ihm liegenlässt. Dabei sollte die Hand den Griff nur in der Gegend des Daumenballens berühren, der Daumen selbst zeigt zum Ziel und die restlichen Fingerknöchel zeigen mit ca. 45° nach hinten und unten. Du musst in der Lage sein, mit Deinen Fingern zu „wackeln“, ansonsten hast Du zu viel Spannung in der Bogenhand.
Der Schwerpunkt der meisten Bögen ist hinter dem Griff, sodass der Bogen nach dem Lösen nach hinten kippt. Dieses Verhalten ist meist nicht erwünscht und daher sollte man frühzeitig einen Monostabilisator verwenden, mit dem der Schwerpunkt nach vorn verlegt und somit der Bogen nach dem Schuss nach vorn kippt.
Der Stabilisator wird außerdem dafür sorgen, dass der Bogen träge wird und weniger auf kleine Störungen, die von der Bogenhand ausgehen, reagiert. Das wird dafür sorgen, dass sich Deine Gruppen deutlich verbessern.
3 Die Sehne richtig ausziehen
Zieh die Sehne nicht weiter nach hinten, als Du es beim Schießen in der Halle tust. Wenn man draußen auf größere Entfernungen schießt, ist man versucht, die Sehne weiter auszuziehen, damit der Pfeil weiterfliegt.
Das ist allerdings wenig hilfreich und wird typischerweise dazu führen, dass der Schuss schlechter wird. Ein übliches Symptom dafür ist, dass die Sehne den Bogenarm berührt, weil man die Stellung des Arms verändert hat, um weiter ausziehen zu können. Wenn dies passiert, muss man genau auf die korrekte Stellung des Bogenarms und das richtige Ausdrehen des Ellbogens achten. In diesem Zusammenhang kann es passieren, dass es aufgrund der falschen Armhaltung zum „Zusammenbrechen“ der Körperspannung und dadurch zu einem schlechten Schuss kommt.
4 Fußposition
Die richtige Position der Füße im Bezug zur Schießrichtung (bzw. zum Ziel) ist ein sehr wichtiger Beitrag zum Erreichen guter Ringzahlen. Es ist wichtig, dass die Position der Füße und damit die Ausrichtung des Körpers zum Ziel korrekt sind und dass diese Position zu jedem Schuss immer wieder gleich eingenommen wird.
Baumlinien oder die Art wie das Gras gemäht ist, können optische Täuschungen hervorrufen, die dazu führen, dass der Schütze nicht richtig zum Ziel steht.
Du solltest Dir angewöhnen, vor Beginn des Schießens Deine Schulterlinie in Richtung auf Deine Scheibe auszurichten und Dir dann Markierungen auf dem Boden suchen (oder aber anbringen) damit deine Füße in jeder Passe gleich stehen. Solche Fußmarkierungen sind, solange sie nicht höher sind als 1 cm, nach der Sportordnung zulässig.
5 Bögen haben keine Kimme
Im Gegensatz zu einem Gewehr (bei dem die Visierlinie durch Kimme und Korn festgelegt wird) haben unsere Bögen keinen „hinteren Teil der Visierung“, sondern nur einen Korntunnel vorn. Damit ist es wichtig, dass wir anstelle einer Kimme eine andere Art finden, den hinteren Teil unserer Visierlinie festzulegen. Diese Festlegung erfolgt bei uns durch eine Kombination von der Position der Sehne im Gesicht (Nasenkontakt), der Position der Hand unter dem Kinn, dem unscharfen Sehnenbild vor dem zielenden Auge (als „Sehnenschatten“ bezeichnet).
Selbst kleine Veränderungen dieser Positionen, womöglich kombiniert mit schlechtem Lösen können dazu führen, dass Deine Pfeile am Ziel vorbeifliegen.
Ein oftmals unterschätzter Punkt ist, ob der Mund offen oder geschlossen ist. Wenn man die Position des Unterkiefers ändert, verändert man sofort auch (u.U. deutlich) die Höhenlage seiner Pfeilgruppierung. Hochschüsse werden durch einen offenen, Tiefschüsse durch einen geschlossenen Kiefer hervorgerufen.
Das Sehnenbild muss immer an derselben Stelle (bezogen auf den Bogen) gesehen werden. Schon kleine Abweichungen können dafür sorgen, dass Du am Ziel vorbeischießt, obwohl Dein Pin ins Gold zeigt.
6 Visiereinstellungen
Du solltest Dir Deine Visiereinstellungen immer notieren und gut aufbewahren. Die meisten Ringe gehen verloren, wenn in einem Wettkampf die Entfernungen geändert werden (z.B. bei einer „großen FITA“). Daher sollte man vor jedem Wettkampf seine Visierkennlinie (die Einstellungen für jede der geschossenen Entfernungen) ausschießen und notieren.
Je besser Du wirst, umso besser passen diese ausgeschossenen Werte von Wettkampf zu Wettkampf, wobei es wichtig ist zu wissen, dass sich diese Werte aufgrund von Wetter und Licht ändern können. Es darf Dich daher nicht überraschen, wenn die Werte auf einem fremden Platz anders sind als auf dem heimischen Trainingsplatz. Das Verhältnis zueinander wird jedoch gleich sein, d.h. wenn Du bei der ersten Entfernung etwas tiefer einstellen musst, wird das bei den folgenden Entfernungen ähnlich sein.
7 Nachhalten
Das Nachhalten (im englischen als „follow-through“ bezeichnet) ist wie auch in anderen Sportarten sehr wichtig. Ein gutes, sauberes Nachhalten ist die Bestätigung, dass du den Schuss sauber ausgeführt hast.
Wenn du den Bogenarm nach dem Lösen für ungefähr eine Sekunde oben lässt, verhinderst Du, dass sich der Bogenarm bereits während des Schusses nach unten bewegt, was ein häufiger Grund für schlechte, tiefe Schüsse ist.
Dabei sollst Du aber auch nicht bewusst dem Pfeil nachblicken (und womöglich dabei den Bogenarm seitlich verziehen, nur um den Pfeil zu sehen). Es ist zwar schön, einen sauber geschossenen Pfeil im Gold einschlagen zu sehen, aber wenn es sich dabei um Deine Pfeile handelt, hast Du nicht richtig nachgehalten und schickst Deine Pfeile unsauber in Richtung Ziel. Schöner ist es, wenn Du es richtig machst und schon im Schuss spürst, dass der Pfeil im Gold sitzen wird.
8 Verwende einen Klicker
Ein Klicker wird Dir helfen, gleichmäßiger zu schießen und engere Gruppen zu erzielen, und das ist der Grund, warum so gut wie jeder gute Schütze einen Klicker verwendet.
In seiner einfachsten Form ist der Klicker ein kleines Blech, das am Bogen befestigt ist, und mit dessen Hilfe sichergestellt wird, dass Du den Pfeil immer gleichweit ausziehst.
Wenn es allerdings so einfach wäre, wäre ein Klicker an jedem Bogen angebracht, aber das ist nicht der Fall. Manche Trainer raten sehr früh zum Gebrauch eines Klickers, andere wiederum warten damit sehr lange.
Der Schlüssel zur richtigen Verwendung des Klickers ist die korrekte Einstellung der Auszuglänge, bei der der Klicker fällt. Man kann das nur sehr schlecht allein und sollte dabei von einem erfahrenen Schützen oder Trainer angeleitet werden. Richtig angewendet ist der Klicker eine große Hilfe, bei Fehlern allerdings kann er eine echte Plage werden.
Häufige Fehler
Quelle: Trainertipps Dezember 2024
Hier habe ich mir die Arbeit einfach gemacht und einen Artikel, der auf der Website der WA (World archery) veröffentlicht wurde, mehr oder weniger nur übersetzt und mit eigenen Anmerkungen versehen. Wenn jemand das Original lesen möchte, man findet es unter https://worldarchery.org/news/149488/9-common-recurve-archery-mistakes-and-how-fix-them
Alle eigenen Anmerkungen und Ergänzungen zu dem Artikel habe ich durch kursive Schrift kenntlich gemacht.
Top Schützen zeigen einfache Fehler und wie man sie ausmerzen kann
Eine gute Technik zu entwickeln braucht Zeit, Anleitung und eine Zutat, die man nicht ignorieren darf: Training. Die Verbesserung von Kleinigkeiten, die zur Folge haben, dass jemand genauer schießt, ist wichtig, und wer könnte diese Kleinigkeiten besser aufzeigen als die Schützen und die Trainer, die diesen Prozess schon hinter sich haben? Im folgenden Artikel erklären einige der besten Schützen der Welt, wie man die häufigsten Fehler beim Recurve-Schießen beheben kann.
Verlust des Zielpunkts
„Obwohl ein Schütze im Vollauszug genau auf einen Punkt zielt, verliert er diesen Zielpunkt oft in dem Moment, in dem er löst“, sagt Ki Bo Bae, die 2012 in London die Goldmedaille gewonnen hat.
Sie weist darauf hin, dass sie ein Visier benutzt, bei dem ein Visierpin von einem Ring umschlossen wird. Sie meint, dass ein Schütze sich nicht auf den Ring konzentrieren sollte, sondern vielmehr darauf, wo sich der Pin auf dem Ziel befindet.
Ich gehe davon aus, dass Ki Bo Bae beim Zielen das Visierkorn scharf sieht und die Scheibe unscharf, so wie es auch unser Bundestrainer empfiehlt.
Wenn man mit dieser Art des Zielens klarkommt, ist der Tipp goldrichtig. Ich persönlich kann so nicht zielen und fokussiere lieber auf das Ziel und sehe daher die Scheibe scharf. Meine Augen sind nun nicht mehr gut genug, um dabei den Pin noch zu sehen und ich kann mich daher nur auf den Visierring konzentrieren. Dadurch kann ich nicht mehr so genau auf einen Zielpunkt außerhalb des Goldes anhalten (z.B. bei Wind) und rate daher jedem Schützen, es mit einem Visierpin zu versuchen.
Zu genau zielen
Der Cheftrainer der US-Mannschaft warnt, dass übermäßiges Zielen gefährlich sein kann. „Zu viel Denken und zu viel Zielen gehört zusammen. Wer zu viel denkt, der wird auch länger zielen und dann auch zu lange halten“, sagt er. Dieses falsche Verhalten kann nur mit Training ausgemerzt werden und wie der italienische Trainer Wietse van Alten hinzufügt, soll man im Wettkampf so schießen wie im Training: „Mach im Wettkampf nichts Besonderes an der Schießlinie, man muss die Dinge genauso machen wie im Training“.
Das ist einer der wichtigsten Hinweise überhaupt. Viele Schützen denken, sie müssten im Wettkampf etwas Besonderes tun, weil es jetzt „um etwas geht“, und dabei verändern sie (teilweise unbewusst) ihre lang eingeübten Abläufe. Man muss sich darauf konzentrieren, dass man die im Training eingeübten und perfektionierten Abläufe eben nicht ändert und somit einen immer gleichen Schuss produziert.
Zu lange halten
Eine Schuss-Routine und ein gleichmäßiges Timing ist, wie viele Schützen und Trainer sagen werden, der Schlüssel zur Genauigkeit. Viele der Top-Schützen verbringen nur sehr kurze Zeit im Vollauszug, und das Wichtigste ist, das gewohnte Timing beizubehalten.
“Eine der größten Herausforderungen ist es, das Timing aus dem Training in den Wettkampf zu bringen“, sagt Bernardo Olivera [ein brasilianischer Weltcup-Schütze]. „Man sieht eine große Anzahl Schützen, die den Schuss zu lange halten. Schützen sind manchmal verzagt und es ist hart, das Selbstvertrauen aufrecht zu halten. In einem Wettkampf wirst Du getestet und wenn man kein starkes Selbstvertrauen hat, ist es schwer, das gewohnte Timing zu behalten“.
Dieser Tipp hängt mit dem vorhergehenden zusammen. Wenn man meint, im Wettkampf etwas besonders machen zu müssen, dann wird man seine Abläufe ändern und dabei läuft man Gefahr, dass man die Schüsse zu lang hält. Glaubt an Euch, vertraut Euren Fähigkeiten und macht im Wettkampf einfach das, was Ihr im Training lang geübt habt.
Gegen den Wind kämpfen
“Ich denke, das ist der schlimmste Fehler, weil [der Wind] etwas ist, das Du nicht kontrollieren kannst. Du kämpfst immer mit dem Wind, aber das musst Du nicht, Du musst ihn verstehen und einfach schießen“, sagt Ana Maria Rendon [Kolumbien].
Sie sagte das in Kolumbien, wo es nicht „zu viel Wind“ gibt, während sie mit ihrer Mannschaft trainiert, neben das Gold zu zielen, um abschätzen zu lernen, wie der Wind die Pfeile über die Scheibe bewegt. „Es gibt Dir das Vertrauen, dass selbst wenn Du ins Rote zielst, die Pfeile im Gold landen“.
US Coach Mel Nichols ergänzt, dass es wichtig sei, egal wo man hin zielt, diesem Zielpunkt zu vertrauen und egal wie stark der Wind ist, den bestmöglichen Schuss abzuliefern. „Wenn Du neben das Ziel halten musst beginnen die Schützen ihr Selbstvertrauen zu verlieren“.
Das beschreibt ein Problem, das wir im Training leider viel zu selten angehen. Wir trainieren eigentlich fast gar nicht das sogenannte „Anhalten“, also das bewusste neben (oder auch drüber/drunter) das Gold zielen, um den Windeinfluss auszugleichen. Unser Trainingsplatz wäre sehr gut hierfür geeignet.
Fokus auf die Ausrüstung zu legen
Es ist leicht sich selbst an die neueste und schönste Ausrüstung zu verlieren, aber dies ist ein sehr alter Fehler. „Konzentriere dich zunächst auf Deine Form und Technik und mach‘ sie so wiederholbar wie möglich, bevor du dich mit den kleinen Unterschieden der Ausrüstung beschäftigst“, sagt der Ingenieur George Tekmitchov. „Jede Ausrüstung ist normalerweise besser als der Schütze. Die besten Schützen der Welt legen 95% ihrer Anstrengungen in Verbesserungen ihrer physischen und mentalen Fähigkeiten und nur den Rest – wenn überhaupt- in die Ausrüstung“.
Ich behaupte darüber hinaus, dass ein guter Schütze mit einer günstigen Ausrüstung immer besser schießen wird als ein schlechter Schütze mit dem Top-Material. Nicht das Material schießt ins Gold, das muss immer noch der Schütze selbst. Wichtig ist, dass Euer Material nicht defekt ist, alle Schrauben fest und alle Federn geklebt sind.
Das soll aber nicht heißen, dass gutes Material nicht wichtig sei. Kauft die teuersten Pfeile, die Ihr Euch leisten könnt, kauft Euch das Material, das euch gefällt, wenn Ihr Euch damit wohl fühlt (dann schießt Ihr auch besser). Denkt nur nicht, dass teures Material schlechte Technik und mangelndes Training ausgleichen kann.
Verlust der Rückenspannung
Eines der Dinge, die am schwierigsten zu korrigieren sind, ist der Fehler, dass die Zughand beim Lösen nach vorn springt, anstatt sich in Zugrichtung nach hinten zu bewegen.
„Die Zugbewegung ist mehr als das blosse Halten der Sehne mit den Fingern, die Kraft muss vielmehr aus dem Schulterbereich kommen. Die Zugbewegung ist eigentlich eine Bewegung der Schulter“, sagt der koreanische Weltmeister Kim Woojin.
Naomi Folkard ergänzt, dass manche Schützen im Auszug die benutzten Muskeln ändern, wenn sie in den Vollauszug kommen. Es sei aber wichtig, die Bewegung beizubehalten.
Wichtig ist, dass man lernt, den Bogen richtig zu spannen (siehe "Grundlagen" Abschniff 4. / Trainer-Tipps vom Oktober 2023) und zu verstehen, dass die Spannbewegung eigentlich eine Bewegung des Zugellenbogens um die Zugschulter ist. Wenn man diese Bewegung gelernt hat (und das sieht der Trainer daran, dass die Zughand nach dem Schuss hinter dem Kopf ist) wird man kein „nach-vorne-Lösen“ mehr erleben.
Fehlender Druck
“Trainer sagten mir immer, dass ich ziehen müsse, aber niemand hat mir gesagt, dass ich auch drücken muss und wie ich drücken muss“, sagt Lisa Unruh. „Ich denke, dass ist einer der häufigen Fehler“. Sie bezieht sich dabei auf das Ziehen mit den Rückenmuskeln, der Zughand und –schulter und dem Drücken mit der Bogenhand. “Gefühlsmäßig drücke ich stärker, wenn ich in der Halle schieße. Das blieb so beim Wechsel zum Schießen im Freien, aber nach einigen Wochen verlor ich dieses Gefühl. Im letzten Jahr habe ich realisiert, wie wichtig es für mich auch draußen ist und ich habe mich darauf konzentriert.“
Letztes Jahr - 2016 - war auch das Jahr, in dem Lisa die Silbermedaille bei den olympischen Spielen gewann. Zufall?
Ein stabiler Bogenarm und der entsprechende Druck nach vorn (auch wenn es einen mehr oder weniger bekannten Theoretiker gibt, der behauptet, man könne nicht drücken) ist extrem wichtig, um eine stabile Basis für den Schuss zu bilden. Ein Einknicken im Bogenarm und/oder der Bogenschulter resultiert nahezu immer in einem schlechten Schuss (meist tief und links, betrachtet für einen Rechtshand-Schützen).
Schußabbruch beim Klicker
Target-Panik, Goldangst oder wie es die Koreaner nennen „Klickerkrankheit“ sind schlimme Erfahrungen, die man als Recurve-Schütze machen kann.
Nicht mehr fähig zu sein den Schuss auszuführen, wenn man im Ziel steht, das fehlende Vertrauen durchzuziehen und den Pfeil so zu schießen, wie man eigentlich möchte, ist meist ein Zeichen dafür, dass man nicht gelernt hat, den Klicker richtig zu nutzen.
„Der Klicker ist nicht das Ende des Schusses, sondern vielmehr der Anfang“, sagt Sjef van den Berg, der in Rio den vierten Platz belegte. „Die beste Möglichkeit das zu beheben, ist sich darauf zu konzentrieren, Zugellenbogen und Bogenhand auseinander zu bewegen und sich nicht zu entspannen, bevor der Schuss tatsächlich zu Ende ist“.
Und wann ist der Schuss zu Ende? „Wenn der Pfeil im Ziel ist“, sagt Sjef.
Meiner Meinung nach sind Target-Panik und Goldangst nicht das, was Sjef hier beschreibt und ich verstehe den Artikel hier nicht ganz.
Dennoch, man sieht öfters Schützen, die im Schuss quasi „zusammenfallen“ und vollkommen die Körperspannung verlieren, was meist in katastrophalen Schüssen endet. Man muss sich unbedingt darauf konzentrieren, den Schuss zu Ende zu bringen (die Trainer nennen es „nachhalten“). Lasst den Bogenarm stehen, bis Ihr den Pfeil im Ziel einschlagen hört (und in der Halle ruhig noch ein klein wenig länger).
Das Streben nach Perfektion
“Die Technik, die du nutzt, ist ganz allein deine Technik. Die Technik ist für jede Person einzigartig, und meine Technik ist sehr speziell für mich“, sagt J. C. Valladont. Er nennt drei wichtige Schlüsselelemente für einen starken Schuss.
„Obwohl jedermanns Technik immer etwas unterschiedlich ist, die zentralen Punkte der weltbesten Schützen sind die gleichen. Wir schießen mit einer Bewegung des Schulterblatts, halten eine stabile Position und einen starken Bogenarm in Richtung auf das Ziel.“
JC fügt hinzu, dass die Bewegungen, die manche Schützen nach dem Schuss ausführen eigentlich nur Show sind. „Der Pfeil fliegt dann bereits. Es ist die Millisekunde, in der du deine Finger öffnest, die wirklich wichtig ist”.
Ich verstehe seine Hinweise dahingehend, dass jeder Schütze seine eigene Technik finden muss. Es ist nicht sinnvoll, die Technik eines Weltcup-Schützen zu kopieren, man muss vielmehr die Prinzipien verstanden haben und diese möglichst wiederholbar einsetzen.
Visier-Korrektur
Quelle: Trainertipps November 2023
Ich möchte noch kurz erklären, wie Ihr am besten die Visier-Einstellung korrigiert, wenn die geschossene Gruppe nicht im Gold steckt.
Ich gehe davon aus, dass Ihr alle wisst, dass „das Visier dem Pfeil folgt“. Das bedeutet, dass wenn die Pfeile z.B. zu weit links stecken, Ihr das Visier nach links stellen müsst, bzw. wenn die Pfeile zu tief sind, muss auch das Visier nach unten gestellt werden. Die Frage ist nun noch, wie weit müsst Ihr verstellen, damit die nächsten Pfeile (sofern Ihr nicht schlecht schießt) im Gold stecken.
Die folgende Betrachtung gilt nur für bekannte Entfernungen auf dem Platz und in der Halle.
1. Etwas Mathematik
Die Basis für die folgende Betrachtung ist der Strahlensatz, der gelegentlich auch als Satz des Thales bezeichnet wird.

Hier gilt folgende Formel:
A/B = C/D
2. Wie wendet man das auf die Visierverstellung an?
Wenn man den Satz verstanden hat, ist die Anwendung ganz einfach.
Die Formelzeichen in der Grafik oben entsprechen folgenden realen Entfernungen:
A: Entfernung Auge – Visierkorn
B: notwendige Verstellung
C: Entfernung Schießlinie – Auflage
D: Abweichung der Pfeile von der Mitte
Die Schießentfernung (in Metern) kennt Ihr (hoffentlich), und die Entfernung von eurem Auge zum Visierkorn solltet Ihr einmal messen. (sie wird bei Erwachsenen, sofern Ihr das Visier nicht hereinfahren müsst) ungefähr bei einem Meter liegen. Wenn Ihr nun feststellt, um wieviel die Pfeile neben dem Gold liegen, könnt Ihr die notwendige Verstellung B leicht ausrechnen, indem Ihr die Formel umstellt:
B = A x D/C = D x A/C
Beispiel 1: Wenn Ihr auf 30 m (C) schießt und die Pfeile um 20 cm (D) links vom Gold stecken kommt bei der Rechnung folgende Verstellung B zustande (wenn wir von der Visierentfernung A = 1 m ausgehen):
B = 20 cm x 1 m/30 m
B = 0,66 cm
Das bedeutet, dass Ihr das Visier um mehr als einen halben Zentimeter verstellen müsst, damit die Pfeile richtig treffen.
Beispiel 2: Wenn Ihr auf 18 m (C) schießt und die Pfeile um 5 cm (D) links vom Gold stecken kommt bei der Rechnung folgende Verstellung zustande (wenn wir von der Visierentfernung A = 1 m ausgehen):
B = 5 cm x 1 m/18 m
B = 0,27 cm
Das bedeutet, dass die notwendige Visierverstellung fast 3 mm beträgt.
Ich habe oft beobachtet, dass viele Schützen bei der Verstellung des Visiers viel zu zaghaft sind und meist viel zu wenig verstellen. Stellt deutlich und korrigiert bei der nächsten Passe gegebenenfalls noch einmal nach.
3. Woher weiß man, wie weit die Pfeile daneben stecken?
Wenn man die Pfeile holt, kann man relativ einfach messen, wie groß der Fehler ist. Der Nachteil ist, dass dabei die gesamte Passe schon geschossen ist.
Um den Fehler schon von der Schießlinie aus abschätzen zu können, muss man wissen, wie die Maße der einzelnen Auflagen (hauptsächlich die Breite der einzelnen Ringe) sind. Dieses Maß habe ich in der folgenden Tabelle für die verschiedenen Auflagen zusammengestellt.

Wenn Ihr nun beispielsweise seht, dass euer Pfeil auf 30 m in der 7 steckt (und Ihr Euch sicher seid, dass Ihr gut geschossen habt) bedeutet das, dass die Ablage ungefähr 140 mm beträgt (siehe folgendes Bild). Damit könnt Ihr nach der Formel oben wieder ausrechnen, dass Ihr das Visier um
B = 14 cm x 1 m/30 m
B = 0,46 cm
verstellen müsst.

Beispiel: 80er Auflage auf 30 m, Pfeilgruppe in der „7“, ermittelte Ablage sind ca. 140 mm
Entsprechend könnt Ihr nun für alle anderen Auflagen die notwendige Visier-Verstellung leicht überschlagen. Wie schon gesagt, stellt nicht zu zaghaft. Ein „Klick“ (z.B. bei einem Shibuya-Visier) bedeutet eine Verstellung von 1/20 mm und das entspricht nach der Formel (wenn man in der Halle auf 18 m schießt) einer Verlagerung des Trefferpunkts um gerade einmal 1 mm. Niemand von uns schießt so gut, als dass er diesen Unterschied bemerken würde.
